http://www.zahnersatz-spezial.de/ - © Kuratorium perfekter Zahnersatz e.V., Frankfurt am Main

Allergien

Sowohl bei der Verwendung von Metall-Legierungen als auch Kunststoffen für Zahnersatz spielt die Verträglichkeit aus allergologischer Sicht eine wichtige Rolle.

Generell lässt sich die Problematik unterteilen in die Fragen: Wie werden Zahnersatzmaterialien von einem Patienten vertragen, der bereits eine Sensibilisierung gegen diese Substanzen bzw. deren Inhaltsstoffen hat?  Sind die heute auf dem Markt befindlichen Materialien in der Lage, ihrerseits einen nichtsensibilisierten Patienten zu sensibilisieren?

Allergien auf Metalle im Zahnersatz

Eine deutliche Zunahme allergischer Erkrankungen auf Metalle bzw. Metall-Legierungen lässt sich in allen Allergieabteilungen der Bundesrepublik, aber auch darüber hinaus feststellen.


Während Sensibilisierungen gegen Edelmetalle nach wie vor zu extremen Seltenheiten gehören, findet eine Sensibilisierung gegen Nichtedelmetalle in zunehmendem Maße durch Einwirkung aus dem privaten oder beruflichen Bereich statt.


Während die Nickelsensibilisierung vorzugsweise durch privaten Umgang mit nickelhaltigem Modeschmuck usw. eintritt, wird eine Chromallergie häufig durch den beruflichen Umgang mit Metallen oder mit Substanzen verursacht, in denen z. B. Kaliumchromat als Spurenstoff enthalten ist (in vielen deutschen Zementsorten, so dass die Häufigkeit der Chromallergie bei denen in der Bauindustrie Tätigen am höchsten ist). Hieraus ergibt sich die Frage, ob derartig sensibilisierte Patienten auf die Verwendung von Nichtedelmetallen, in denen Chrom, Nickel und Kobalt enthalten sind, auch im Mundbereich allergisch reagieren können.


Entsprechend durchgeführte Untersuchungen haben gezeigt, dass die heute auf dem Markt befindlichen Legierungen, wenn sie diese Einzelelemente enthalten, durchaus in der Lage sind, bei Epikutan-Tests ohne Zuhilfenahme von irgendwelchen Vehikeln allergische Reaktionen im Sinne eines Kontaktekzems auslösen. Das heißt aber mit anderen Worten, dass aus den Legierungen tatsächlich Ionen herausgelöst werden, die dann als der eigentliche Auslöser eines Kontaktekzems anzusehen sind. Es handelt sich hierbei um eine Sensibilisierung vom Spättyp, die eigentlich nur dann auftritt, wenn ein intensiver langandauernder Kontakt gegeben ist. Dieser ist aber keineswegs immer bei der Verwendung von Nichtedelmetall-Legierungen im Munde gegeben. Insbesondere dann nicht, wenn beispielsweise durch Einwirkung von Speichel oder Nahrung dauernd eine Verdünnung erreicht und der Kontakt mit der Schleimhaut laufend unterbrochen wird.


Auf diese Weise dürfte sich in hohem Maße die Diskrepanz erklären, die immer wieder zur Diskussion steht, dass bei allergologischen Untersuchungen zwar eine Sensibilisierung festgestellt werden kann, ein entsprechendes klinisches Korrelat im Munde aber nicht ohne weiteres nachweisbar ist. Häufig klagen in solchen Fällen Patienten über subjektive Beschwerden, die objektiv schwer erfassbar sind. Es muss aber betont werden, dass die heutigen Nichtedelmetall-Legierungen, die Chrom, Nickel oder Kobalt enthalten, so korrosionsfest und gewebeverträglich sind, dass sie nur bei Patienten bedenklich erscheinen, die schon gegen einen dieser Stoffe allergisch sind. Primär allergieauslösend sind sie extrem selten.


Sind die heute auf dem Markt befindlichen Materialien in der Lage, ihrerseits einen nichtsensibilisierten Patienten zu sensibilisieren?


Wenn auf Grund unserer Untersuchungen es tatsächlich möglich ist, dass Einzelbestandteile aus den Legierungen bei einem Epikutan-Test als Auslöser für die Entwicklung eines allergischen Kontaktekzems verantwortlich gemacht werden können, dann ergibt sich natürlich die Frage, ob diese Fähigkeit auch ausreichend ist, beim Nichtsensibilisierten eine allergische Reaktion hervorzurufen, d. h. den Organismus zu sensibilisieren. Entsprechende tierexperimentelle Untersuchungen haben gezeigt, dass bei der Implantation von entsprechend präparierten Nichtedelmetall-Legierungsscheibchen unter die Haut von Meerschweinchen und einer Liegezeit von mindestens 6 Monaten in mehr als einem Drittel der Tiere eine Sensibilisierung gegen Nickel hervorgerufen werden konnte. Hieraus lässt sich zunächst aus dem Tierversuch schließen, dass die im Laufe der Zeit freigesetzten Anteile von Ionen durchaus ausreichend sind, eine Sensibilisierung herbeizuführen.


Dies darf aber nicht dazu führen, diese Ergebnisse ohne weiteres auf den Menschen zu übertragen. Im Tierversuch haben wir versucht, die Verhältnisse, wie sie beim Menschen vorliegen, in etwa nachzuahmen: Wir haben Meerschweinchen nach entsprechender Abformung Metall-Legierungen auf die Schneidezähne geklebt und diese über 6 Monate belassen (bei zwischenzeitlichen Erneuerungen), konnten jedoch hier in keinem Fall kontaktallergische Phänomene im Mund- oder Lippenbereich der Tiere feststellen. Auch hier dürfte zutreffen, was etwas weiter oben bereits geschildert worden ist, dass der Verdünnungseffekt durch Speichel und Nahrung zum Tragen kommt.

Allergien auf Dentalkunststoffe

Die Verhältnisse bei der Verwendung von Kunststoffen sind insofern etwas anderes, als hier nicht ein großes Kollektiv von sensibilisierten Patienten vorliegt, welches mit Kunststoffen der verschiedensten Art zahnärztlich versorgt werden muss.

Abgesehen von entsprechenden Kontaktmöglichkeiten im zahnärztlichen Beruf und bei den zähnärztlichen Hilfsberufen muss davon ausgegangen werden, dass das Auftreten einer Sensibilisierung gegen Kunststoff im Rahmen der zahnärztlichen Versorgung durch den Kontakt mit Kunststoffen der verschiedensten Art bzw. deren Komponenten verursacht worden ist. Diese lassen sich im Allgemeinen relativ gut diagnostizieren, weil sie mit entsprechenden Schleimhautveränderungen einhergehen.

Aber auch hier gibt es gelegentlich subjektive Beschwerden, die sich nicht sichtbar äußern. Hier kann nur die Durchführung von allergologischen Untersuchungen der verschiedensten Kunsthoffbestandteile, einschließlich natürlich auch des verwendeten Prothesenmaterials, zu einer Abklärung beitragen. Schwierigkeiten in der Beurteilung können dann aber auftreten, wenn zwar die Sensibilisierung gegen das vom Patienten selbst getragene Prothesenmaterial nachgewiesen werden kann, aber nicht bekannt ist, welche Komponenten zur Anfertigung der Prothese verwendet worden sind.

Zusammenfassung

Fasst man die Gesamtproblematik zusammen, so lässt sich sicherlich sagen, dass es wünschenswert wäre, dass der Zahnarzt, bevor er Zahnersatzmaterialien verwendet, vom Patienten erfährt, ob eine Überempfindlichkeit bekannt ist, wie umgekehrt aber auch der allergologisch Tätige vom Patienten erfahren sollte, welche Materialien zur Verwendung als zahnärztliche Werkstoffe benutzt worden sind.

Von allergologischer Seite aus kann dieses Problem dahingehend noch verbessert werden, indem bei Vorliegen einer Sensibilisierung gegen zahnärztliche Werkstoffe und Metall eine entsprechende Allergiekarte ausgefüllt wird, die dann beim Zahnarztbesuch vorgelegt wird.

Kennen Sie Q_AMZ?

Die Marke der Meisterlabore der Zahntechniker-Innungen, Q_AMZ, steht für die starke Zusammenarbeit zwischen Zahnärzten und Dentallaboren vor Ort.

www.q-amz.de

Fachliche Frage?

Der wissenschaftliche Beirat des Kuratoriums beantwortet gerne Ihre schriftlich oder per Email eingereichte Frage zur Zahntechnik, die beispielsweise die Wahl des Materials oder die Versorgungsformen mit Zahnersatz betreffen kann.

Kontaktformular
pressestelle@kuratorium-perfekter-zahnersatz.de