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Kinderprothese

Die technische Herstellung einer "Kinderprothese". Bericht der Zahntechnikerin Ch. Danielmeyer.

In manchen Fällen ist schon bei Kindern Zahnersatz angezeigt. Ich möchte Ihnen nun die technische Herstellung einer Kinderprothese verdeutlichen.

Mit einer Kinderprothese bin ich zum ersten Mal konfrontiert worden, als es Probleme gab, die kleinen Apparate zum Halten zu bringen. Die Milchzähne bzw. die noch nicht vollständig durchgetretenen bleibenden Zähne haben meistens keine unter sich gehenden Stellen, die Halt für eine Klammerverankerung bieten. So versuchte ich, mit Halteelementen aus der Kieferorthopädie eine Haltewirkung zu erzielen. Die besten Erfolge sind mit Adamsklammern, Knopfankern, Federn und Dreieckklammern zu erreichen. Die Interdentalräume (Zahnzwischenräume) müssen wegen der fehlenden unter sich gehenden Stellen optimal genutzt werden. Die Adamsklammern haben links und rechts kleine Füßchen, die nachträglich nach innen gebogen (aktiviert) werden können und dadurch eine hervorragende Klemmwirkung bieten. Wenn möglich, sollte man die Halteelemente an schon vorhandenen bleibenden Zähnen anbringen, damit die Prothese so lange wie nötig getragen werden kann.

Das nächste Problem ergibt sich bei der Zahnauswahl. Es gibt für Kinderprothesen keine konfektionierten Zähne, die verwendet werden können. Man muss sich passende Zähne, die eigentlich für Erwachsene gedacht sind, aussuchen und sie dann in der Regel bis zur Hälfte kürzen und zurechtschleifen, bis sie für eine Kinderprothese passen.

Es ist weiterhin zu beachten, dass etwas Platz unter den Zähnen für eine vergoldete Netzeinlage geschaffen wird. Das Hauptproblem stellt nämlich die hohe Bruchgefahr der kleinen Prothesen dar - die zierlichen Apparate brechen hinter den Zähnen durch. Eine Goldnetzeinlage kann jedoch für Prothesen im Oberkiefer die gewünschte Stabilität bringen. Das Goldnetz wird auf dem Modell passend zugeschnitten und bis unter die Zähne geführt. Vor die aufgestellten Zähne wird ein Vorwall gemacht und das Wachs danach ausgebrüht. Das Gipsmodell wird dann ca. 10 Minuten gewässert und anschließend isoliert. Der Vorwall mit den Zähnen wird festgewachst und das Goldnetz mit Kunststoff oder Sekundenkleber fixiert. Dann wird der Kunststoff aufgetragen. Nach dem Aushärten des Kunststoffes wird der Vorwall abgezogen, die Prothese ausgearbeitet, mit Sandpapier geglättet und poliert.

Die etwas kompliziertere Methode ist das Einbetten und Stopfen mit Heißpolymerisat. Durch das Pressen schmiegt sich das Goldnetz optimal an. Diese Prothesen werden meist etwas dünner als diejenigen aus Kaltpolymerisat. In Wachs wird die Prothese dann so ausmodelliert, wie sie später in Kunststoff aussehen soll. Danach wird sie in einer Küvette in Gips eingebettet. Das Wachs wird ausgebrüht und der Gips anschließend isoliert. Der Kunststoff wird angerührt und nach 10 Minuten Quellzeit gestopft. Dazu walze ich den Kunststoff zwischen zwei Folien aus, lege eine Lage Kunststoff auf das Modell, darauf das Goldnetz und darauf die zweite Lage Kunststoff. Dann wird die Küvette geschlossen und langsam zusammengepresst. Dadurch wird der Kunststoff optimal verdichtet. Die Küvette kommt in einen Spannrahmen und das Ganze wird über Nacht polymerisiert, also gehärtet. Dann wird das Werkstück ausgebettet, ausgearbeitet und poliert.

Bei Prothesen im Unterkiefer wird genau wie im Oberkiefer verfahren, nur verwenden wir anstatt der Goldnetzeinlage kleine Verstärkungsdrähte, um eine bessere Stabilität zu erreichen. Auch wenn im Unterkiefer die Prothesen nur sehr schmal sind, sollten sie nicht zu dick werden, denn je graziler und dünner sie gearbeitet sind, desto eher werden sie von den Kindern akzeptiert.

Ich wollte Ihnen mit diesen kurzen Ausführungen zeigen, dass die Zahntechnik auch auf diesem interessanten Gebiet Mittel und Wege kennt, um qualitativ hochwertige Werkstücke herzustellen. Es gilt hier besonders, mit Präzision feine federharte Drähte zu biegen und den Kunststoff fachgerecht zu verarbeiten. Den Kunststoff kann man in jeder beliebigen Farbe einfärben, was bei manchem unserer kleinen Patienten zur höheren Akzeptanz seiner Prothese führt. Der Zahntechniker arbeitet auf den Unterlagen, die ihm der Zahnarzt liefert. Die technische Fertigung geschieht in enger Absprache mit dem behandelnden Zahnarzt. So ist der gesamte Behandlungsverlauf wie bei allen Formen des Zahnersatzes Teamwork.

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